Postfächer – Die Nachteile

Von Karim Geiger — unter Deutschland am 05.07.2016

Postfächer kennt jeder. Und sie bieten auf den ersten Blick eigentlich nur Vorteile: Wer eins hat, kann es an einigen Stellen angeben um Post zu erhalten, ohne die richtige Adresse der Wohnung preisgeben zu müssen. Aber Postfächer haben auch Nachteile. Gravierende, wie ich finde.

Nach dem Anmelden zum Postfach-Service der Deutschen Post bekommt man einen Schlüssel zu seinem Postfach, sowie eine eindeutige Adresse, unter der man Post an das Postfach schicken lassen kann. Selbstverständlich. Irgendwo muss die Post ja auch ankommen. Was die Post allerdings nicht kommuniziert ist, dass nicht nur Post, die an das Postfach adressiert ist dort landet, sondern auch Post, die eigentlich an die private Adresse gerichtet ist.

Ohne bestimmtes Muster, sondern einfach nach Lust und Laune landen also sporadisch Briefe von unterschiedlichsten Unternehmen und Personen im Postfach, auch, wenn sie nicht dort hin geschickt wurden. Das hat zur Folge, dass man, wenn man sein Postfach nicht wirklich jede Woche leert, gerne mal eine Zahlungsfrist überschreitet. Es kommt einem in der Tat so vor, als wäre die Post manchmal zu faul um die Briefe auszuliefern. Stattdessen packt sie diese dann einfach ins Postfach, sofern eins registriert wurde. Eine Benachrichtigung per SMS oder E-Mail wie bei der Packstation bekommt man nach Erhalt eines Briefes ebenfalls nicht.

Bevor ihr also ein Postfach registriert, seid euch im klaren, dass ihr um eine Leerung pro Woche nicht herumkommt. Auch, wenn ihr eigentlich keine dringliche Post unter der Postfachadresse erwartet. Schade.

Von Bussen und Taxis – Netzneutralität erklärt

Von Karim Geiger — unter Deutschland, Internet, Provider am 29.10.2015

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“Das ist mir alles zu hoch. Die machen das schon.” – Diese Sätze hört man immer wieder, gerade wenn es um das Neuland Internet geht. Und das ist verständlich. Das Internet ist kompliziert, existiert vergleichsweise seit einer sehr kurzen Zeit und ist immer noch in der Entwicklungsphase, in der sich sehr schnell sehr viel ändert.

Da ist es nur normal, wenn sich der Durchschnittsbürger zurückzieht. Mehr als E-Mail, ein bisschen Surfen und Netflix macht er ja sowieso nicht. Ich würde genau so handeln. Es gibt sehr viele Bereiche, für die ich mich nicht interessiere und mit denen ich mich nicht beschäftige. Schließlich kann ich auch nicht alles wissen und überall auf dem aktuellen Stand bleiben. Das ist für eine Person einfach nicht möglich. Als professioneller Nerd ist mir allerdings gleichzeitig auch wichtig, dass sich der normale Mensch mit dem Internet auseinandersetzt. Es ist mittlerweile keine Trenderscheinung, die bald wieder Geschichte ist und auch nicht mehr nur eine Randgeschichte. Das Internet ist überall und ohne würde nichts mehr funktionieren. In den folgenden Zeilen möchte ich daher die Vor- und Nachteile der Netzneutralität und des neuen EU-Entschlusses verständlich erklären, da es in Zukunft jeden treffen wird.

Nicht umsonst wird das Internet oft mit einer Daten-Autobahn verglichen. Vorstellen kann man sich das als ein großes Netz aus vielen Straßen und Abzweigungen. Jeder Computer ist mit jedem verbunden. Der eine kann schneller erreicht werden, der andere ist etwas weiter entfernt. Zur Veranschaulichung existieren aktuell, im neutralen Netz nur Busse, die jede Person gleich schnell an das Ziel bringen. Ganz egal, ob diese Person nun wenig Geld für den Internetanschluss zahlt, oder viel. Natürlich ist die Anzahl der verfügbaren Busse je nach Anbindung unterschiedlich. So stehen einem Heim-Anschluss mit 16 Mbit/s weniger Busse gleichzeitig zur Verfügung als einem Firmen-Anschluss mit 1000 Mbit/s.

Mit dem neuen Entschluss des EU-Parlaments, welcher vor ein paar Tagen etabliert wurde, kommen zu unserem Modell nun auch Taxis hinzu. Diese haben selbstverständlich den Vorteil schneller an das Ziel zu kommen, ganz unabhängig von der Quantität. Im Internet wird das durch eine Priorisierung erzielt. Sind die Autobahnen zu Stoßzeiten, zum Beispiel abends, wenn alle von der Arbeit heim kommen, voll, kommt es zu einem Stau. Fährt nun ein Taxi vor, so müssen die Busse rechts ranfahren und das Taxi durchlassen, bevor sie weiterfahren dürfen. Dadurch verzögert sich die Ankunftszeit des Busses selbstverständlich.

Durch dieses Konstrukt haben wir nun die aktuelle und zukünftige Lage des Internets aufgebaut. Nun betrachten wir einmal die Vor- und Nachteile der jeweiligen Situationen. Der erste Unterschied dürfte ganz klar sein. Mit dem ersten Konstrukt ist jeder gleichberechtigt. Egal, ob es eine kleine Firma ist, oder ein großes Unternehmen. Jeder kommt gleich schnell an sein Ziel. Im zweiten Modell ist das schon anders. Wer mehr Geld hat, kann sich mehr Taxis kaufen, die er dem Nutzer, der seinen Dienst besuchen möchte, vorbeischicken kann. Dadurch kommt dieser dann schneller an sein Ziel. Andersrum funktioniert das natürlich auch: Mit einem Aufpreis kann der Nutzer selbst Taxis bestellen, welche ihn ebenfalls schneller an das Ziel bringen.

Hier scheiden sich die Geister. Während die eine Gruppe einen Vorteil in den Taxis sieht, ist die andere gegen eine Bevorzugung der Besserbezahler. Gerade bei kleinen Unternehmen könnte das zu einem Problem werden: Angenommen ein relativ kleiner Dienst, wie zum Beispiel Watchever, möchte sich gegen Netflix etablieren. Aktuell bekommt jeder Nutzer die Videos gleich schnell zugestellt. Egal, ob man nun auf Netflix einen Film ansieht, oder sich auf Watchever eine Serie anguckt, beide Filme werden gleichschnell geladen. Zu Stoßzeiten kann es nun zu Staus kommen, was bedeutet, dass das Video bei beiden Anbietern ruckelt und immer wieder pausiert wird. Mit der Abschaffung der Netzneutralität könnte nun zum Beispiel Netflix reihenweise Taxis für seine Nutzer kaufen, welche ein ruckelfreies Video auch zu Stoßzeiten garantieren, während Watchever sich das vielleicht nicht leisten kann. Andersrum könnte Watchever aber auch einen Deal mit dem Internet-Anbieter vereinbaren, welcher für den Nutzer gegen einen Aufpreis Taxis garantiert, während Netflix keine Taxis bekommt und die Nutzer weiter per Bus angekarrt werden müssen. Das schafft je nach Geschäftslage ein Ungleichgewicht im Markt.

Aktuell ist dies sogar schon teilweise der Fall. So hat Spotify zum Beispiel einen Vertrag mit der Telekom geschlossen. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt das durch Spotify verbrauchte Datenvolumen nicht berechnet, während andere dafür bezahlen müssen. Da das neue Gesetz diese Taktik befürwortet, könnte dies allerdings nun die Regel werden. Selbstverständlich kann es nun auch sein, dass die Bus-Strecken absichtlich verkleinert werden, sodass Taxis noch schneller ankommen und Busse absichtlich lange warten müssen.

Die Gegenseite der Argumentationskette vertritt aktuell die Telekom. Dort schreibt man, dass es wichtig ist, kleine Unternehmen zu stärken. Und auch diese Seite hat selbstverständlich nicht ganz unrecht. Große Unternehmen können sich in jedem Land einen Standort leisten, um die Entfernung zum Nutzer, der mit Bussen fährt, zu verringern. Kleine Firmen jedoch haben nicht das nötige Kleingeld um sich diesen Luxus zu gönnen und müssen oft lange Strecken zum Nutzer in Kauf nehmen. Gegen einen kleinen Anteil am Umsatz des Unternehmens möchte Telekom daher für kleine Firmen Taxis anbieten, welche die lange Strecke durch erhöhte Priorität ausgleichen sollen.

Meiner Meinung nach ist die Aufhebung der Neutralität trotzdem ein sehr heikles Thema. Die Vergangenheit hat oft genug gezeigt, dass im Endeffekt immer die großen Firmen gewinnen und somit am meisten aus den Taxis profitieren werden, während kleine Unternehmen weiter mit den langsamen Bussen auskommen müssen. Im Einzelfall kommt es nun also darauf an, wie die Gerichte entscheiden. Vorausgesetzt die kleinen Firmen können sich große Anwälte leisten.

Titelbild: CC by Backbone Campaign @Flickr

E-POST – Security made in Germany

Von Karim Geiger — unter Deutschland, Internet am 06.05.2015

E-POST ist ein Service der Deutschen Post. Er sorgt dafür, dass wir Bürger nun endlich auch online Briefe verschicken können, welche rechtlich gesehen als Briefe anerkannt werden. Das bedeutet, wir können zum Beispiel Mietverträge oder Kündigungen online verschicken.

Zwar kostet ein Brief, welcher digital versandt wird, 62 Cent, aber hey, was tut man nicht alles für Sicherheit im Netz? Selbstverständlich können E-POST-Mails nur innerhalb des E-POST-Netzwerkes versandt werden. Versucht man eine unsichere, normale Mail an eine E-POST-Adresse zu senden, bekommt man folgende Meldung:

Screenshot from 2015-05-06 15:16:48

Mails können ausschließlich über die sichere Website der Post versandt werden. Unter https://portal.epost.de ist dieses zu finden. Überprüft man das ganze dann mal mit einem SSL-Server-Test, stellt man jedoch erschreckendes fest. Die ach so sichere Website verwendet RC4 als Verschlüsselungstechnik, welche seit Februar ganz offiziell als knackbar gilt, da sie schlicht veraltet ist. Im RFC wird sogar ausdrücklich verboten, diese für gesicherte Verbindungen über TLS zu verwenden.

Natürlich habe ich daraufhin die Post per Mail kontaktiert, um sie darauf hinzuweisen. Folgenden Text habe ich versendet:

Sehr geehrte Damen und Herren,
während der Verwendung Ihres E-Post-Dienstes stellte ich fest, dass die Übertragung zwischen portal.epost.de und mir über ein veraltetes, mittlerweile unsicheres Verschlüsselungssystem erfolgt.
Im Februar diesen Jahres wurde das von Ihnen verwendete RC4 offiziell durch RFC 7465 ( https://tools.ietf.org/html/rfc7465 ) als unsicher erklärt und die Verwendung im Zusammenspiel mit TLS verboten.
Ich würde mich über eine Stellungnahme zu dem Thema von einem Ihrer Sicherheitsbeauftragten sehr freuen.
Mit freundlichen Grüßen
Karim Geiger
Die Antwort der E-POST kam dann am Folgetag:
Sehr geehrter Herr Geiger,
vielen Dank für Ihre Nachricht. Sie haben Fragen zum Verschlüsselungssystem von E-POST.
Transport Layer Security (kurz TLS) bietet nach dem aktuellen Stand der Technik ein Höchstmaß an Sicherheit. Damit entspricht es den hohen technischen Anforderungen der Deutschen Post an ein Kommunikationsportal.
Renommierte Sicherheitsexperten haben die TLS-Spezifikation entwickelt. Sie gilt derzeit als Standard für sichere Kommunikation im Internet. Auch Onlinebanking-Transaktionen werden gewöhnlich mit TLS geschützt, denn es ist das einzige Verfahren, das von allen marktüblichen Web-Browsern unterstützt wird.
Sie haben gehört, dass TLS-Verbindungen mithilfe von gefälschten Zertifikaten von Dritten mitgelesen werden können? Das ist nur ein Gerücht! Es ist bis heute kein einziger konkreter Fall bekannt.
Wir freuen uns, wenn Ihnen diese Informationen weiterhelfen.
Mit freundlichen Grüßen

Ich lass das jetzt mal unkommentiert so stehen.

Update 8. Mai 2015: Ich habe noch einmal nachgefragt und erneut betont, dass man die Frage doch an einen zuständigen Mitarbeiter weiterleiten solle, was man dann auch tat. Daraufhin kam folgende Antwort zurück. Immerhin haben sie mein Anliegen verstanden… naja.

Im Bezug auf Ihre Anfrage haben wir weitergehende Informationen von unserem IT-Sicherheitsbeauftragten erhalten:
Der geschilderte Sachverhalt ist zutreffend: Das E-POST Portal ermöglicht derzeit noch Verbindungen auf Basis von RC4. Dies dient der Unterstützung von Browsern, die noch kein TLS 1.2 nutzen. Um gegen BEAST-Angriffe zu schützen haben unsere Experten die Verwendung von RC4 für TLS 1.0 und 1.1 ausgewählt. RC4 bietet gegenüber der Verwendung von Block-Ciphern im CBC-Modus (TLS 1.0 und 1.1 unterstützen keine anderen Modi) einen besseren Schutz.
Der Browser gibt beim Verbindungsaufbau die TLS-Version vor. Aktuelle Browser verwenden automatisch TLS 1.2. Ein TLS-Downgrading wird serverseitig verhindert. Somit ist sichergestellt, dass immer das höchstmögliche Sicherheitsniveau für HTTPS-Verbindungen genutzt wird.
Wir führen kontinuierliche Auswertungen über die eingesetzten Ciphersuites durch und passen unsere serverseitige Ciphersuite-Konfiguration entsprechend an. Das Nutzerverhalten im Bezug auf die eingesetzten Browser muss für die Umsetzung des RFC 7465 aber berücksichtigt werden.

Ketchup

Von Karim Geiger — unter Deutschland am 15.03.2015

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Ist der Typ jetzt komplett durchgedreht, oder warum bloggt er mittlerweile über Ketchup?

Berechtigte Frage. Aber nein, ich würde nicht behaupten, dass ich komplett auf die rote Seite abgedriftet bin. Ich möchte mich heute mal nur über das Wort an sich und die allgemeine deutsche Rechtschreibung unterhalten. Den Ursprung des Themas stellte eine Unterhaltung über das Synonym des Gegenwortes zu Synonym – dem Antonym. Über ein paar Ecken kamen wir dann zum Wort Ketchup, welches laut Duden nicht nur Ketchup, sondern auch Ketschup geschrieben werden kann.

Doch das ist nur der Anfang. Alternative Schreibweisen sind ja nichts Neues und haben auch durchaus ihre Berechtigung. Was ich allerdings traurig finde, ist die Adaption des Dudens an die Verdummung der Menschen. Natürlich ist das ganze übertrieben ausgedrückt, aber man findet doch immer wieder Beispiele, durch welche klar erkennbar ist, dass einige Schreibweisen nur deswegen existieren, weil sie plötzlich jeder so schreibt.

Doch die Seite des Dudens, welche Ketchup behandelt, birgt weitere skurrile Dinge. So kann man nicht nur “der Ketchup” sagen, sondern auch “das Ketchup”. Da fragt man sich, warum man nicht einfach einen Artikel als richtig und einen als falsch deklarieren kann. Bei dem Paprika haben sie es ja auch geschafft.

But wait, there’s more! Nicht nur die lockere Schreibweise sowie die freie Wahl des Artikels ist gegeben, auch die Trennung des Wortes ist relativ willkürlich. Sinnvoll wäre natürlich Ket|chup, was auch richtig ist. Unlogischerweise ist aber auch Ket|ch|up richtig, Ketch|up jedoch nicht.

Allgemein finde ich die (deutsche) Sprache sehr grausam, wenngleich auch sehr schön. Ich könnte Stundenlang über komische Plurale oder Pluraletantums sinnieren, aber ich denke die allgemeine Botschaft ist angekommen: Ich finde es einerseits schade, dass die Sprache vereinfacht wird, finde es auf der anderen Seite aber auch gut, dass versucht wird sie zu standardisieren.

Wer mehr zum Thema Sprache von mir lesen will: Ist denn dass so schwer?

LBB – Können Sie mein Limit erhöhen?

Von Karim Geiger — unter Deutschland am 12.03.2015

Wer eine Amazon Kreditkarte hat, wird automatisch Kunde bei der Landesbank Berlin. Diese Bank bietet nämlich besagte Kreditkarte an.

Ich denke das Kreditkartensystem ist jedem bekannt. Man bekommt ein Limit, welches man ausschöpfen kann, und am Ende des Monats wird dann ein Teilbetrag oder der gesamte (je nach Einstellung) vom Girokonto abgebucht.

Interessant wird es nun, wenn man bei der LBB mal lieb nachfragt, ob sie nicht das Limit (welches nebenbei bemerkt lächerlich niedrig ist, obwohl mein SCHUFA-Score recht gut ist) erhöhen könnten, kommt als Antwort ein “Nein” zurück.

Nicht weiter tragisch. Interessant ist nun aber was darauf folgt. Normalerweise hat das Webinterface der LBB einen Button, mit dem man konfigurieren kann, welcher Teilbetrag abgebucht werden soll: 100%, 75%, 50%, immer 500 Euro, immer 250 Euro, etc.

Besagter Button verschwindet urplötzlich und klammheimlich aus dem Interface, nachdem die Supportfrage gestellt und beantwortet wurde. Ich habe natürlich dort angerufen und nachgefragt, woran es liegen kann, dass der Button nicht mehr da ist. Der nette Herr am Telefon konnte mir nur sagen “die IT entscheidet das. Der taucht dann irgendwann wieder auf. Einen Grund, warum der verschwunden ist, kann ich Ihnen nicht nennen”.

Schön und gut, muss ich halt damit leben. Aber wie wäre es, wenn man mich darüber informiert? Fehlanzeige: “Die Konfiguration über das Webinterface ist eine Zusatzleistung, welche nicht vertraglich geregelt ist. Daher kann sie nach Belieben aktiviert und deaktiviert werden, ohne Sie darüber zu informieren. Sie haben aber immer die Möglichkeit Ihre Rate per Telefon zu bestimmen.”

Ich möchte jetzt nicht davon anfangen, dass ich zur Verifizierung meiner Selbst lediglich die Kartennummer und meinen Wohnsitz angeben musste, was vermutlich jeder, der meinen Geldbeutel klaut, herausfinden kann. Das ist ein anderes Thema. Ich möchte nur sagen: Geht’s noch?

Beiß in die Hand, die dich füttert

Von Karim Geiger — unter Deutschland, Internet am 09.10.2014

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Kennt ihr die VG Media Gesellschaft? Nein? Nun, diese Gesellschaft ist ein Zusammenschluss vieler großer Verlage wie z.B. der BILD, Bunte, HAZ, etc. Kurz: All die großen Zeitungen, welche man meistens aus den Zeiten der Buchstaben auf Papier kennt und die wohl oder übel auch ins Internet mussten, um nicht ganz von der BILDfläche zu verschwinden.

Um nun auch noch Leser zu bekommen, müssen die Leute ja irgendwie erfahren, dass es die Seiten gibt. Da kann man dann entweder Werbung in den Zeitschriften und Zeitungen selbst machen, was nicht gerade sehr viel bringt, da die Generation Zeitung mit der Generation Internet nicht viel zu tun hat, oder man wendet sich an die Suchmaschine seines Vertrauens, welche einen dann in den Nachrichtenindex aufnimmt. Da Google in Deutschland die mit Abstand stärkste Suchmaschine ist, ließ man sich dort natürlich auch gerne eintragen.

Jetzt ist es nur so, dass VG Media gemerkt hat, dass sie nicht ganz auf dem Stand der Zeit sind und die Leser wegrennen/sterben. Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten: Einen Sündenbock suchen oder den Inhalt auf den Stand der Zeit bringen und vielleicht mal ein wenig besser recherchieren und nicht als Quelle nur “Internet” oder “YouTube” angeben. Man entschied sich für den Weg des geringsten Widerstandes (so dachte man) und nahm den Sündenbock. Da ist es natürlich naheliegend die einzigen Websites zu nehmen, die sich für einen interessieren und fleißig Zitate der Artikel präsentierten: die Suchmaschinen.

Kurz (un)überlegt beschloss man also ein Leistungsschutzrecht für Presseverleger zu etablieren. Mit genug Unwissenheit der CDU und genug Geld von VG Media und co. ließ sich das dann auch zum 1. August 2013 durchtreten. Darin heißt es, dass jede Website, welche Bilder oder Zitate aus einem Artikel nimmt, vorher um Erlaubnis fragen müsse. Nett wie die Medien sind, darf man das dann natürlich auch – gegen eine Danksagung in Form von Geld. Kurz gesagt: Wenn eine Suchmaschine ein Thumbnail (Bild) oder ein Snippet (Zitat) eines Artikels der VG Media-Gruppe in den Suchergebnissen oder unter der News-Section anzeigt, muss Geld an die entsprechenden Verlage fließen.

Schwachsinn, denken sich die Suchmaschinen. Im Index ist man schließlich freiwillig, man profitiert ja deutlich durch die Klicks. Allein durch Google gehen jeden Monat über eine halbe Milliarde Klicks an deutsche Nachrichtenportale. Wer die nicht haben möchte, kann sich ja aus dem Index der Suchmaschinen austragen, oder nicht? Ja, das finden die Suchmaschinen auch. Web.de, T-Online, GMX und co. haben prompt reagiert und die betroffenen Seiten einfach komplett entfernt. Sie wollten es ja so.

tonlinesuche

Google hingegen zeigte sich kulant und kündigte an ab sofort nur noch die Überschrift und den Link zum Beitrag in den News-Ergebnissen anzuzeigen. Man möchte die Seiten ja nicht komplett zensieren. Die Verlage finden das alles natürlich “höchst problematisch“, es herrscht ja eindeutig eine Wettbewerbsverzerrung aufgrund des großen Monopols, das Google hat. Es ist einfach unerhört Seiten zu beschneiden, welche auf ihr gutes Recht plädieren. Man hat ja gar nicht die Möglichkeit ohne Google zu überleben.

Auf gut Deutsch heißt das:

Wir haben die Hand gebissen, die uns füttert, und jetzt sind wir traurig, weil wir nicht mehr genug zum Essen bekommen.

Der VG Media Gesellschaft hat die ganze Aktion vom bösen Mr. Google so sehr nicht gefallen, dass sie Google gebeten haben mit der Sanktion noch 14 Tage zu warten, bevor sie angewendet wird. Das haben sie dann auch gemacht. Was die armen Verlage jetzt vor haben, kann nur spekuliert werden. Ich bin aber auf jeden Fall gespannt.

TL;DR: VG Media möchte Geld für die kostenlosen Anzeigen durch Google, Google entfernt die Anzeigen, VG Media will das nicht und weint. Stay tuned.

Update 16. Oktober 2014: So, die VG Media-Gruppe hat sich geäußert und zugegeben, dass deren Idee eher doch nicht so hundertprozentig durchdacht war. behauptet, dass Google das Monopol ausnutzt und die Verlage keine Chance mehr hätten. Insofern möchte man wohl klein beigeben und nicht auf das eigens durchgedrückte Leistungsschutzrecht bestehen. Allerdings nur bei Google. Alle anderen werden in Zukunft trotzdem zahlen dürfen.

Update 05. November 2014: Huch, damit hat niemand gerechnet. Der Google News-Traffic bricht um 80% ein. Die arme VG Media-Gruppe.

Update 10. November 2014: VG Media gibt nicht auf und versucht nun das ganze vor Gericht zu ziehen. Aus dem offiziellen Bericht gefällt mir außerdem folgendes Zitat sehr gut:
“Den Vogel der Fehlinterpretation hat wieder einmal der im Vogelabschießen bestens geübte Stefan Niggemeier abgeschossen. Seine steile These: Die VG Media diskriminiert die kleineren Suchmaschinen wie 1&1 und Telekom, weil sie ihnen keine Gratislizenzen einräumt.”

Update 11. November 2014: Wer zu faul zum lesen ist, kann sich auch gerne mein Video zu dem Thema angucken:

Update 11. Juli 2016: Es ist nun mittlerweile zwei Jahre her, seit die VG Media-Gruppe den Streit darum mehr oder weniger aufgegeben hat. Trotzdem muss man immer wieder gegen Klagen bezüglich des Leistungsschutzrechts kämpfen und weiter Gelder ausgeben. Das alles sollte sich daher also schon lohnen, oder? Fehlanzeige. Seit 2013 hat man ganze 714.540 Euro mit dem tollen, neuen Recht verdient. Und ausgegeben? Nun… so um die 3,3 Millionen. Hat sich also richtig schön gelohnt. Wieder einmal ein großer Sieg für die Print-Medien, die den Schuss nicht gehört haben!

Ist denn dass so schwer?

Von Karim Geiger — unter Deutschland am 26.08.2013

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Ich oute mich hiermit offiziell als sogenannten “Grammar Nazi“.

Wenn jemand ein Wort falsch schreibt oder mal einen Kommafehler macht, sei ihm das verziehen, allerdings gibt es so ein paar Sachen, bei denen ich ordentlich Plaque bekomme, obwohl sie nichts mit der Oral-B-Werbung zu tun haben: Das und dass, als und wie, Plenken, Zeichensetzung und – ja, hat nicht unbedingt etwas mit Grammatik zu tun, aber trotzdem ein wunder Punkt bei mir – der Zwinkersmiley.

Wer mich, also so sehr auf die Palme bringen will als kein Zweiter, muß dass alles einfach nur in einen Satz packen !! ;)

Und los gehts. Ich versuche euch in der heutigen Lektion anhand von Eselsbrücken beizubringen, wie man es schafft, dem Zorn des Karim (hallo, das bin ich) auszuweichen. Zu der Kommasetzung fällt mir leider keine einfache Eselsbrücke ein, die man sich einverleiben könnte, weswegen ich derartige Fehler in gewissem Maße auch toleriere.

Fangen wir an mit das und dass. Im Grunde ist es ganz einfach. Kann man anstelle des “das” in einem Satz ein “dies”, “dieses” oder “welches” einfügen, so schreibt man es mit einem s. Beispiel:

Das Wasser ist warm. – Dieses Wasser ist warm.
Dass ich so etwas noch erleben darf. – Welches ich so etwas noch erleben darf.

Das erste Beispiel passt, das zweite nicht. Ganz einfach, oder? Drei Wörter merken, nämlich dies, dieses und welches und alle sind glücklich. Und noch etwas: Auch, wenn ein “das” nach einem Komma steht, heißt das nicht, dass es zwingend mit zwei s geschrieben wird, wie du am Anfang der Zeile sehen kannst. Ach ja: Das mit dem scharfen s kannst du vergessen. Es gibt kein “daß” mehr.

Also weiter mit als und wie. Das ist vor allem ein Problem bei den Vergleichen. “Ich bin größer wie du” und co. Auch hier ein ganz einfaches Prinzip, das sich doch bitte sehr jeder merken kann: wie, wenn etwas gleich ist; als, wenn etwas ungleich ist. Und wieder ein Beispiel, weil es so schön war:

“Ich bin schlauer als du.”
“Du bist genau so schlau wie ich.”

Verstanden? Gut. Ein nächster wichtiger Punkt: Satzzeichen am Ende eines Satzes. Jüngere Leute machen den Punkt gerne nach einem Leerzeichen . Ältere Leute verstärken ihre Sätze gerne mit mehreren Ausrufezeichen, weil eins nicht genug ist!!! Hier gilt: Satzzeichen sind keine Rudeltiere, aber alleine sein wollen sie auch nicht. Also bitte: Eins langt, und das direkt ans letzte Wort. Danke.

Der letzte Punkt auf meiner Liste ist eine ganz persönliche Sache: Ich mag ihn nicht, den Zwinkersmiley ;-) Vor allem nicht mit Nase und an jedem Satzende. Der Smiley symbolisiert für mich ein Hochnäsiges “sag ich doch” bzw. ein “du bist so doof, dir muss mans nochmal erklären”. Es gibt Momente, in denen sie angebracht sind, keine Frage, doch meistens sind sie einfach fehl am Platz. ;)

Das war’s von meiner Warte aus. Ich hoffe, diese Regeln sind einfach zu merken und nicht mit seltsamen grammatikalischen Begriffen untermalt, die sowieso keiner versteht. In dem Sinne: Auf ein besseres Deutsch. Es muss ja ein paar Leute geben, die der Swag-Hipster-Generation wieder richtiges Deutsch beibringen, wenn deren YOLO-Tattoo verschrumpelt ist und der Tunnel im Ohr herunterhängt.

Die Telekom

Von Karim Geiger — unter Deutschland, Internet, Provider am 23.04.2013

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Du hast ja davon gehört. Die Telekom will ab 2. Mai diesen Jahres neue Internet-Tarife ab einer gewissen Datenmenge drosseln. Meine Meinung dazu ist die selbe, wie man sie überall im Netz liest. Zwar kann ich verstehen, dass die Telekom den Intensivnutzern mehr Geld abnehmen will als dem “Normalbürger”, aber dass Telekomeigene Dienste bzw Dienste, die sich mit dem pinken Riesen gepartnert haben vom Traffic-Zähler ausgenommen werden – So z.B. Spotify, Entertain und Telekom Cloud – finde ich eine bodenlose Frechheit. Die Telekom nutzt hierbei eindeutig die quasi-Monopolstellung aus um sich selbst einen Vorteil zu verschaffen.

Ich habe mich mal informiert, was ich hier in meinem Dorf für alternativen hätte. Neben Congstar – genau, der Tochtergesellschaft – gibt es hier nichts. Keine hübsche Alice, kein Vodafone (wobei die ja aus verschiedensten Gründen sowieso schon ganz weit unten durch sind bei mir) und kein Kabel Deutschland. Für mich ist das also ein Monopol, auch wenn es laut Definition nicht so ist. Ich könnte ja woanders hin ziehen oder 1und1 dafür bezahlen, bei mir auszubauen. Is ja kein Thema, hab ja nen Esel der Geld.. naja wie auch immer.

Ein weiterer Punkt ist die Begründung, mit der sie die Drosselung durchziehen wollen. Es geht ihnen darum, dass der “brave” Nutzer dann mehr von seiner Leitung hat, was ja im Grunde ziemlich egal ist. Kann er ja abgesehen von ein paar mal pro Monat nicht nutzen. Außerdem werden sie das Geld, das sie dadurch mehr verdienen natürlich in den Netzausbau stecken.. ich hab selten so gelacht. Dem Konzern geht es finanziell ziemlich gut und sie könnten das DSL weitaus besser ausbauen. Es gibt genug Gebiete, in denen es bis jetzt noch immer kein schnelleres DSL gibt als 1 oder 3k. Sollen sie doch alle woanders hinziehen. ISDN haben sie ja, langt doch. Aber benutzt doch bitte unser Entertain und unsere Cloud.

Die wahre Überzeugung dahinter ist meiner Meinung nach, dass die Telekom einfach einen Grund braucht weiter Daten zu sammeln. Im deutschen Gesetz steht, dass Daten wie Login-Zeit, IP und co. nicht gespeichert werden dürfen, solange keine Limitierung der Flatrate besteht. Bisher hat sich die Telekom mit der Begründung davor gedrückt, dass es viel zu umständlich wäre, ein neues System einzuführen.. Jaja.. rm -rf * im crontab ist schon sehr umständlich.

Und wo wir beim Thema sind: Für mich sind Tarife, die nach einer gewissen Nutzung eingeschränkt werden – sei es Telefon, mobiles Internet oder eben DSL – keine Flatrates. Ich verstehe unter Flatrate, dass du in ein Restaurant gehst und frisst, bis du aus den Latschen kippst. Und dann isst du weiter. Schließlich bezahlst du genau dafür. Das, was die Telekom und andere Anbieter (insbesondere im mobilen Bereich) anbieten, sind Volumentarife. Ich möchte also, dass die Telekom ihre Angebote zukünftig nicht als Flat betitelt, sondern als Volumentarif.

Was ist deine Meinung zu den Restriktionen?

 

Die Titelbilder stammen von Netzpolitik und TechHive.

Opt-In

Von Karim Geiger — unter Deutschland, Internet am 22.11.2012

Man registriert sich für einen Newsletter oder bei einem Forum und bekommt eine Bestätigungsmail, die einen Link enthält, um zu bestätigen, dass einem die angegebene E-Mail-Adresse auch wirklich gehört. Das macht Sinn und ist seit langem sogar gesetzliche Pflicht. Nachzulesen in §7 des UWG oder auf Wikipedia.

So weit so gut. Blöd nur, dass gerade eine Steuerberatergesellschaft gegen eben diese Opt-In-Mails geklagt hat. Hier war die Rede von Double-Opt-In. Sprich: “Gehört ihnen diese Adresse? – Ja? Gut. Hier eine Willkommensmail!” Und jetzt kommts: Das Gericht hat beschlossen, dass die erste Opt-In-Mail (ja, die gesetzlich vorgeschriebene) nicht rechtens ist, da der Nutzer diese ja nicht zwingend angefordert hat. Es kann sich ja auch um ein Missverständnis handeln. Die zweite Mail – die zumindest mich eigentlich am meisten nervt – war allerdings rechtens, da ja ein bestätigtes Abo zustande gekommen ist.

Kurz zusammengefasst: Das Gesetz stellt sich selber ein Bein. Und stolpert dann auch noch.