Amazon Echo (Dot) – Der erste Eindruck

Von Karim Geiger — unter Amazon, Test am 05.11.2016

Cover

Ich persönlich habe mich sehr lange auf Amazon Echo gefreut. Seit dem Release in den USA in 2014 warte ich gespannt auf einen Release in Deutschland, und mittlerweile ist es endlich soweit.

Wer Amazon Echo nicht kennt, kann sich darunter ein kleines, rundes Gerät vorstellen, welches irgendwo im Raum platziert wird, und dank der 7 Mikrofone immer mithört. Wird dann das Aktivierungswort “Alexa” gesagt, wird das Folgende an den Amazon Cloud Service gesendet und interpretiert. Anschließend fungiert das Gerät ähnlich wie Siri oder Google Now. Sprich: Ein virtueller Assistent, der Fragen beantworten und Aktionen durchführen kann. Der Vorteil: Das Gerät hört einen überall im Raum und muss nicht extra per Knopfdruck aktiviert werden.

Der erste Eindruck des Amazon Echo war direkt negativ. Bisher ist das Gerät nämlich nur per Einladung erhältlich. Nur wenige haben einen Tag nach offiziellem Release eine Einladung erhalten. Vorwiegend Leute mit Dialekt. Alle anderen dürfen laut Amazon sogar mehrere Monate warten, bis sie dann endlich ein Gerät bestellen können. Warum Amazon dies erst jetzt – eine Woche nach Veröffentlichung – kommuniziert und nicht sofort von Beginn an klar macht, ist für mich unverständlich. Auch verstehe ich nicht, warum überhaupt ein Veröffentlichungstermin angegeben wurde, wenn nur ein paar Wenige tatsächlich auch eine Einladung erhalten.

Aber, wer viel meckert, bekommt meist, was er will. Nach ein paar Telefonaten mit dem Kundenservice und einer Email habe ich dann letzten Endes auch eine Einladung bekommen, und ein paar (viele) Tage später (danke an die absolut unfähige DHL und deren grausamen Support) war das Gerät endlich in meinem Besitz. Ich muss dazu sagen, ich habe mich für die Echo Dot-Variante entschieden. Der Dot ist das kleinere Gerät von beiden und kommt mit keinem so guten Lautsprecher wie Alexa, dafür aber mit AUX-Ausgang.

Das Einrichten des Amazon Echo Dot ging schnell und problemlos. Das Smartphone mit dem WLAN des Dots verbinden, die Alexa-App starten und das Update einspielen. “Hallo.”

Nun, was kann das Gerät jetzt eigentlich?

“Alexa, wie wird das Wetter heute?” – Klappt.

“Alexa, schalte das Licht im Wohnzimmer an.” – Klappt.

“Alexa, schalte alle Lichter aus.”  – “Sorry, ich konnte kein Licht mit dem Namen “alle Lichter” in dem Profil von Karim finden.”

“Alexa, was ist Amazon Echo?” – “Amazon Echo ist…”

“Alexa, kannst du das wiederholen?” – “Amazon Echo ist…”

Okay, das sieht schon sehr gut aus.

“Alexa, welche Star Wars-Filme gibt es?” – “Das weiß ich leider nicht.”

“Alexa, setze Milch auf meine Einkaufsliste.” – Klappt.

“Alexa, starte das 1Live Radio.” – Klappt.

“Alexa, stopp!” – ….. – “ALEXA, STOPP!” – ….. – “Alexa!” – “?” – “Stopp!” – Klappt.

Nicht ganz perfekt, und nicht wie im Video. Zwar klappt die Erkennung der Sprache und des Gesprochenen in der Regel sehr gut, doch manchmal wird man komplett überhört. Besonders, wenn Alexa selbst Musik abspielt, scheint sie sich sehr zu verwirren. Das Steuern klappt dann nur, wenn man “Alexa!” schreit, wartet, bis sie die Musik leiser macht und zuhört, und dann den Befehl spricht.

Auch schön ist, dass Alexa einen wirklich sehr gut versteht. Auch Fremdwörter und englische Begriffe sind meistens kein Problem. Leider mangelt es noch an Funktionen. Dinge wie “Schalte alle Lichter aus” werden zwar korrekt interpretiert, können aber nicht ausgeführt werden. Alexa antwortet nur, dass sie kein Gerät mit dem Namen “Alle Lichter” kennt. Das lässt sich zwar umgehen, indem man eine Gruppe mit dem Namen “Lichter” anlegt und dort alle Lichter hinzufügt, ist aber ärgerlich. Genauso ist auch das Wissen über allgemeine Dinge sehr mau.  Ein Beispiel:

Aber gut, Alexa ist ja auch noch sehr jung und noch nicht öffentlich erhältlich. Von daher ist davon auszugehen, dass in den kommenden Monaten noch einiges hinzukommen wird. Glücklicherweise bin ich ja professioneller Entwickler und habe somit die Möglichkeit, das Gerät selbst zu programmieren. Und das geht auch relativ simpel, mittels Skills. Zwar sind momentan nur etwa 15 Skills im offiziellen Amazon Skill Store vorhanden, aber das Entwickeln eigener Skills ist wirklich einfach.

Nachdem man unter developer.amazon.com einen neuen Skill angelegt hat, kann man einen Aufrufnamen vergeben. Zum Beispiel “Fernseher”. Und dann kann man “Utterances”, also Ausdrücke definieren. Zum Beispiel: “dass er die Laustärke auf {volume} Prozent stellen soll”. Diesen kann man dann einzelne Aktionen, oder auch Intents zuweisen. Ein fertiger Aufruf wäre dann, “Alexa, sage dem Fernseher, dass er die Lauststärke auf 50 Prozent stellen soll”. Der erste Teil, also das “sage dem Fernseher” ist der Aufruf des Skills. Alles Weitere wird dann an die Skill Utterances übergeben. Diese werden übersetzt und am Ende kommt etwas raus wie “VolumeIntent: volume => 50”, was anschließend an eine URL meiner Wahl geschickt wird.

So konnte ich meinen Fernseher mit meinem eigenen SmartHome verbinden und dafür sorgen, dass ich über Alexa alles steuern kann. Auch für das Problem mit dem im Video erwähnten zweiten Weltkrieg habe ich eine Lösung gefunden: Einen Wolfram Alpha-Skill. Den gab es zwar noch nicht, aber… ihr wisst schon.

Der Grund dass die Antwort so lange braucht ist übrigens, dass die Anfrage erst einmal mittels Yandex ins Englische übersetzt wird, da Wolfram Alpha nur Englisch versteht. Dann wird sie an Wolfram Alpha geschickt und anschließend wieder zurückübersetzt. Aber naja, es funktioniert!

Mein vorläufiges Fazit zu Amazon Echo (Dot) ist daher:

Pro:

  • Die Spracherkennung ist sehr gut.
  • Sie hört einen auch aus der Entfernung.
  • Die Stimme ist angenehm und betont meist korrekt.
  • Skills lassen sich einfach entwickeln.
  • Die Antworten kommen in der Regel sehr schnell.
  • Verfügbare Features funktionieren in der Regel gut.
  • Das Abspielen von Musik mittels Spotify ist intuitiv.
  • Das tägliche News-Update ist sehr sinnvoll.

Kontra:

  • Skills lassen sich nicht kaufen. Ergo will auch keine Firma einen Skill entwickeln.
  • Alexa weiß nicht viel. Auch einfache Fragen sind schon zu komplex.
  • Wenn sie selbst Musik abspielt, versteht sie einen sehr schlecht.
  • Manchmal muss man Dinge anders formulieren.
  • Manchmal bricht Alexa einfach ab, oder versteht nur die Hälfte.
  • Keine Push-Benachrichtigungen, nur Timer und Wecker. Also auch keine Erinnerungen und co.
  • Ich würde Alexa gerne als Freisprechanlage für das Smartphone verwenden, geht aber nicht.
  • Wenn Alexa Englisch spricht, klingt sie wie Politiker.

 

Bildquelle: Consumer Reports